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Dezentralisierung

Neue Heimat finden und ankommen

Die BruderhausDiakonie verabschiedete sich von der Einrichtung in Schernbach. Menschen mit Behinderung haben künftig mehr gesellschaftliche Teilhabe.

Prälat Christian Rose predigt zum Abschied.

Mitten in der Gesellschaft

Menschen mit Behinderung gehören in die Mitte der Gesellschaft. Sie sollen leben und arbeiten können, wo sie herkommen. Deshalb gibt die BruderhausDiakonie ihre große Einrichtung in Seewald-Schernbach auf und setzt künftig auf mehrere Standorte in umliegenden Städten. Bereits im Oktober 2017 zogen 20 Menschen mit Behinderung aus Schernbach nach Altensteig in neue Wohnungen. 24 zogen in diesem Jahr nach Horb, 40 nach Freudenstadt. Am Freitag, 21.12.2018, verabschiedete sich die BruderhausDiakonie feierlich mit einem Gottesdienst, weihnachtlicher Musik eines Posaunenchors und 100 Gästen vom Standort Schernbach und eröffnete das neue Werkstatt- und Verwaltungsgebäude in Freudenstadt.

Abschied mit Wehmut - Eine Ära endet

"Mit dem Kauf des Anwesens in Schernbach im Jahr 1858 begannen 160 Jahre segensreiche Arbeit", sagte Professor Martin Beck, Stiftungsratsvorsitzender der BruderhausDiakonie. Zunächst sei die Arbeit durch Landwirtschaft geprägt gewesen, später kam eine Werkstatt hinzu.
Der stellvertretende Landrat des Kreises Freudenstadt, Reinhard Geiser, erinnerte an viel Gutes, das "mitten im Schwarzwald" geschehen sei. "Es ist gut, dass die künftige Nutzung mit der Genossenschaft Sonnenwald geregelt ist", sagte Geiser. Rund 70 Leute wollen künftig auf dem Areal leben und ihre Nahrungsmittel weitgehend selbst herstellen.
Den symbolischen Abschied zelebrierte Prälat Professor Christian Rose mit einem Gottesdienst. Gefühle seien erlaubt: Dankbarkeit, Wehmut, Trauer, aber auch Freude auf das Neue. "Die gemeinsame Verantwortung füreinander bleibt", sagte Rose.
Für Günter Braun ist das in schöner Natur gelegene Schernbach ein "Sehnsuchtsort", wie er selbst sagte. In klaren Nächten habe man den "Weitblick" bis zum Stuttgarter Flughafen. Der heutige Fachvorstand der BruderhausDiakonie Braun hat in Schernbach seine erste Stelle angetreten und erinnerte sich an eine gute Zeit. Die Dezentralisierung bezeichnete er als "konsequenten Weg" mit dem die BruderhausDiakonie eine Vorreiterrolle einnehme.

Neue Werkstatt mit Schwung eröffnet

"Alle sind wohlbehalten angekommen", sagte die zuständige Fachbereichsleiterin Dorothea Rau über den Umzug. In Freudenstadt sind 36 neue Werkstattarbeitsplätze sowie 12 neue Plätze im Förder- und Betreuungsbereich geschaffen worden. Der Erweiterungsbau umfasst auf mehreren Stockwerken rund 1.500 Quadratmeter. Im Gebäude befinden sich Gymnastik- und Kreativräume ebenso wie eine Mensa und Büros. Die Baukosten belaufen sich auf 3,7 Millionen Euro. "Nach 160 Jahren in Schernbach hoffe ich, dass Sie mindestens genauso lange bei uns bleiben", sagte Wolfgang Tzschupke, stellvertretender Bürgermeister von Freudenstadt.
Der Freudenstädter Dekan Werner Trick sprach von einem "großen Schritt und einem großen Einschnitt", den es zu meistern gelte und spendete den kirchlichen Segen. Er wünschte, dass die Klienten in der Kirche und in der Stadt eine neue Heimat finden und gut aufgenommen werden. Das brauche Zeit.

Mal kurz auf den Weihnachtsmarkt

Doch Inklusion kann auch schnell gehen: Ein Dutzend Menschen mit Behinderung entschloss sich nach dem Umzug vergangene Woche spontan, die Winterjacken anzuziehen und über den Weihnachtsmarkt in Freudenstadt zu schlendern. Von ihren neuen Wohnungen sind es dorthin nur zehn Minuten zu Fuß. Eine Rote Wurst essen, einen Glühwein trinken, mit Betreuern und Freunden reden - bis vor kurzem, vom abgelegenen Schernbach aus, wäre das nicht so einfach gewesen.
Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringt die zentralere Lage Vorteile. "Ich kann jetzt mit der S-Bahn von Huzenbach nach Freudenstadt zur Arbeit fahren", sagte beispielswiese Rico Müller. Viele sahen das vor dem Umzug ähnlich und freuten sich auf die modernere Umgebung. Das Wichtigste bleibt gleichwohl unverändert, betonte Rau: "Unsere Arbeit von Menschen für Menschen."


Foto: Andreas Straub/BruderhausDiakonie

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